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Der letzte Brockhaus. Ist das der Anfang vom Ende?

Da geht ein sehr ehrwürdiges Projekt mit Paukenschlag zu Ende. Noch vor kurzem hatte es erst im Vergleich mit den kostenlosen Onlineplattformen wie z.B. wikipedia den Kürzeren gezogen. Dann launchte eben das Onlineportal des Spiegels, und nun die Ankündigung, die gedruckte Ausgabe des Brockhauses habe keine Zukunft mehr. So berichtet unter anderem die FAZ, die Online-Offensive würde gemeinsam mit der ZEIT gestartet. Diese Information der FAZ revidierte die Aussage Hubertus Brockhaus (stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des Verlages Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG und langjähriger Vorstand), ein Lexikon aus Papier sei heute gefragter denn je.

Brockhaus Enzyklopädie, das sind

- 24 500 Seiten

- rund 300 000 Stichwörter

- 40 000 Bilder, Satellitenaufnahmen, Grafiken und ganz- oder mehrseitige Bildtafeln und

- eine Audiothek mit 70 Stunden Tondokumenten.

aber auch

- über 200 Jahre editorische Leistung und

- 21 Auflagen

und das Ende hieße auch aus Sicht der Produktioner Abschied von einem:

- anspruchsvollen Printobjekt, nämlich

- 30 in Leinen gebundene Bänden in

- aufwändiger Fadenheftung, gedruckt auf

- alterungsbeständigem Papier aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung

- und Goldschnitt und das bei Auflagen

- größer 20.000 Exemplaren

Dem kostenlosen und werbefinanzierten Projekt Brockhaus-online jedenfalls bescheiden wir heute schon einen Qualitätsvorsprung gegenüber den Wettbewerbern, da die Inhalte hier nicht vom User generiert, sehr wohl aber durch ihn zusätzlich qualifiziert würden. Zu dem Qualitätssignum Brockhaus stellte sich der Aktualitätsvorteil eines Onlinemediums und die breite Thesaurierung durch die zahlreichen Nutzer. Dem graphischem Gewerbe mag das freilich ein schwacher Trost sein. Doch unsere Prognose geht noch weiter: Zukünftig werden wir ggf. Beiträge zusammenfassen, in unserem eigenen Wissensdossier in Brockhaus-online ablegen, und bei Bedarf via web-to-print-Interface in Buchform gießen. Nicht 30 Bände, aber dafür ein individueller. Auch hier müsste Brockhaus nur einen tradierten Vorteil ausspielen: Das Wissen ums Buch und die Buchproduktion. So mag das Ende den Anfang eines Neubeginnes markieren.

Halten wir’s einfach wie Hubertus Brockhaus und zitieren den Humanisten Thomas Morus: »Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.«


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