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zoomer.de oder »Wenn Journalisten bloggen«

Da steht Ulrich Wickert als Herausgeber mit 40 Journalisten am Start. Aber der »User entscheide darüber, wie interessant ein Thema ist, wo im Portal es steht und wie tief die Redaktion es bearbeitet«, so der Chefredakteur Frank Syré über die strategische Ausrichtung des neuen Nachrichtendienstes zoomer.de, der die Online-Nation schon spalte. »Wir machen Nachrichten«, so der zarte Claim, der - so er unter WIR auch die Leser versteht - selbstbewußt und schlicht das neue Format auf den Punkt bringt. Freilich, die Journalisten belächeln den engen Schulterschluss mit den Lesern, und prophezeien flache Inhalte, weil die Nutzer sie bestimme. Da ist von »kumpeligen Rumgeklicke« (taz) oder »seltsam schwankender Qualität« die Rede (Spiegel-online). Und auch die Blogger, die insgeheim den Zeitpunkt fürchten mögen, da die Journalisten das Web und vor allem den Dialog mit dem Leser für sich entdecken, geraten nicht ins Schwärmen. So mutmaßt Donalphonso, hier habe sich eine neue Form des Crowdsourcings, des Nutzbarmachens und Ausbeutens des Users manifestiert: »Die Nachrichteneinspeiser können mit geringstem Aufwand ein Maximum an Klicks erzeugen, oder andersrum, die Kosten werden dort konzentriert, wo Einnahmen zu erwarten sind«. Andere, wie Robert Basic strafen das neue Format mit fast beiläufiger Mißachtung: »Die Seite kommt nicht besonders interessant herüber.«

Zugegeben, die Seite ist ein buntes Durcheinander. Gab es da einen Plan, ein Konzept, oder eben einfach zuviel von beiden? Die wirklich potentiell interessanten Features gehen in dem Konkurrenzkampf zwischen Bilderflut, Werbeschweinchen und reduziertem Textgeboxe wahrlich unter: Die Option, sich eine eigene Newspage zu gestalten, mehr noch, eine eigene Aggregationsseite zu formen. Ganz unten wirbt Holtzbrinck damit, man könne seine eigenen Schwerpunkte setzen und Nachrichten erhalten, die uns »ganz persönlich interessieren« Wie das gehen soll? »Ganz einfach«, so lesen wir weiter, man teile zoomer.de nur mit, was uns interessiere, und was die im gesamten Netz suchen sollen, und die liefern uns »die passenden Nachrichten aktuell auf« unsere »personalisierte zoomer.de-Seite.«

Mein Fazit: Ein ambitionierter Anfang, nur finde ich zu viel der Worte, der Eindrücke, der meinungsmachenden Videos und lese lieber weiterhin Blogs und News und mache mir meine Bildchen selber. Am spannendsten aus meiner Sicht die Reaktionen. Irgendwann wird sich ein übersichtliches, eher klassisches Format der Interessen der Leser und Nutzer anzunehmen wissen. Nicht reaktiv oder provozierend, wie das manche Blogs leisten, sondern integrierend und aggregierend. Und dann können wir Blogger oder Journalisten uns warm anziehen. Es sei denn, wir vereinen beide Tugenden …


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