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Ist der Zug im Internet für deutsche Verlage schon abgefahren?
Über Content, »Widgetisierung« und den Zugzwang, endlich im Internet richtig aktiv zu werden, sprachen gestern Peter Turi und Stephan Scherzer im turi2.tv.
Stephan Scherzer, der Online-Chef des Medienkonzerns IDG (zu den Marken gehören im deutschsprachigen Raum z.B. die PC-Welt, die MAC Welt, Computerwoche oder CIO) erläutert im Interview sehr anschaulich, wie sehr der amerikanische Markt dem deutschen voraus sei. Insbesondere, wenn es um redaktionelles Marketing in so genannten Bookmarking-Portalen wie digg.com (bei uns ist eher Mister Wong bekannt) ginge, müssten Journalisten ein neues Selbstverständnis entwickeln. Sie hätten noch eine Scheu, für die eigenen Beiträge zu werben, müssten aber gerade im Web viel aggressiver sein, um die eigenen Marken nachhaltig platzieren zu können. Aus Scherzers Erfahrungen könnte die zielgerichtete Reklame in diesen Aggregationsseiten die Zugriffe auf die eigenen Beiträge oder Unterseiten verzwei- und dreifachen. Dafür müssen sich natürlich auch diese Portale aufstellen. Aber viel drastischer noch war Scherzers Kernbotschaft:
»Wer jetzt noch sagt, ich kann noch warten, ich mach das in 3 Jahren … das ist ein großer Fehler. Man muss wirklich aggressiv ins Internet gehen und die bestmögliche Mannschaft zusammenziehen.«
Dabei hätten gerade die Häuser, die auf starke Printmarken bauen können, einen ungemeinen Wettbewerbsvorteil. Diesen müssten sie nur ausbauen, sei es zum Beispiel, indem sie ihre Inhalte als Widget in den großen Web Communities wie XING anbieten. Eine »Widgetisierung« sei allerdings nicht zu befürchten. »Ein Widget macht noch keinen Sommer«, so Stephan Scherzer auf die Frage Peter Turis, ob die Inhalte zukünftig auf die Größe eines Widgets kondensieren müssten. Aber man müsse sehr wohl das Widget als wichtiges Element im Distributionsportfolio führen. Es sei ein »schönes add-on«.
Ich lege den Beitrag allen Medienschaffenden und Inhaltsstiftenden dringend nahe. Die Lage ist ernst. Der Kuchen wird gerade auf’s Neue verteilt. Und wer sich nicht um die letzten Brösel schlagen möchte, stelle sich rechtzeitig auf (nicht »an«). Bei aller Dringlichkeit erdete Stephan Scherzer die Sorgen des Zuhörers zumindest in einer Hinsicht: Qualität zählt.
Und da sind die Medienhäuser traditionell gut aufgestellt: »Man braucht Journalisten, die im Markt ernst genommen werden«.
Und man braucht, das möchte ich hinzufügen, Verleger oder Medienmacher, die Visonäre genug sind, heute die richtigen Entscheidungen für morgen zu treffen.
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- Publiziert:
- 02.04.2008 / 21:44
- Kategorie:
- Communities, Digital, Marketing, Publisher
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