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Ein Buch für 1,5 Cent. Läutet das iPad den Tod des gedruckten Buches ein?

Seit gestern ist es offiziell: nicht mal einen Monat habe es gedauert, 1 Million iPads an den Mann / die Frau zu bringen. Allein beim Verkaufsstart am 3. April sind 300.000 iPads verkauft worden. Die Welt zitiert Apple-Chef Steve Jobs »Die Nachfrage übersteigt weiterhin unsere Kapazitäten, aber wir arbeiten hart daran, dieses magische Produkt in die Hände von noch mehr Kunden zu bringen« und nennt weitere Zahlen: Mehr als zwölf Millionen so genannter Apps sowie 1,5 Millionen eBooks seien aus dem hauseigenen Online-Laden iBook Store heruntergeladen worden.

Zahlreiche Diskussionen befassen sich nun mit der Frage, welchen Einfluß das Lesegerät auf die Mediennutzung nähme.  So werden z.B. in der XING-Gruppe Media & Publishing werden Parallelen zu dem Einbruch des Musikmarktes gezogen. Basicthinking hingegen untermauert die These, dass viele iPad und Kindle-Nutzer weiterhin gedruckte Bücher lesen. Und die Frage-und-Antwort-Community Cosmiq diskutiert ausgiebig, ob zukünftig gerade kleinere Verlage nur noch auf eBooks setzen werden.

Immer geht es darum, ob das Lesegerät die Nutzung ändert, oder das Nutzungsverhalten nach neuer technischer Unterstützung verlangt. Henne oder Ei. Ich persönlich hätte angenommen, dass Lesegeräte für Fachinformationen, im Bildungsbereich eine nahe echte Zukunft haben. Aber Literatur? Das wollte mir nicht einleuchten. Das Buch als haptisches Erlebnis würde, so meine Meinung, nicht so schnell substituiert. Außerdem lägen diese Inhalte noch gar nicht medienneutral vor oder seien zumindest nicht nennenswert günstiger als ein wohlfeil ausgestattetes Buch.

Deshalb finde ich das Angebot von Zweiausendeins viel erstaunlicher. Das sind Zahlen, die mich beeindrucken, ja beängstigen:

  • 1 DVD mit
  • 1.500 teils mehrbändigen Werken
  • von über 500 Autoren
  • 18.000 Märchen
  • 500 Gedichtsammlungen mit rund 53.000 Gedichten
  • in den Formaten EPUP, PDF, HTML, XML,, RTF und TXT
  • ohne DRM, Zwangsregistrierung oder anderen Einschränkungen
  • kurzum: 2.900 eBooks

Das entspricht rein rechnerisch (bei einer angenommen Rückenbreite von durchschnittlich 2,5 cm) über 70 Regalmeter. Oder – wenn wir davon ausgehen, dass ein Regal mit 80 cm Breite 6 Regalböden fasst – über 15 Billyregale voller Literatur, Prosa und Lyrik. Das kostete einmal (bei einem angenommenen durchschnittlichen Ladenpreis von Euro 14,80 pro Buch) über Euro 40.000!

Und was bietet uns Zweitausendeins an?
Die große eBook-Bibliothek der Weltliteratur. DVD-ROM. 2.900 Bücher für nur Euro 39,90.
Verkaufsargumentation: »Bei uns bekommen Sie Bücher für 1,5 Cent. Kein Witz. Aber Sie müssen 2.900 auf einmal nehmen!«

Schöne neue Welt!


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