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Fachpresse-Statistik 2009: halbvolles oder halbleeres Glas?

Churchill soll gesagt haben, er glaube nur der Statistik, die er selber gefälscht habe. Etwas Wahres will schon dran sein, denn die Interpretation von Zahlen kann schon manchmal absonderliche Blüten tragen. Eben veröffentlicht die Deutsche Fachpresse die Ergebnisse der Fachpresse-Statistik 2009. Vorausschauenden Investitionen in neue Geschäftsfelder kompensierten Rückgänge bei Anzeigenumsätzen der Fachzeitschriften, heißt es da vollmundig. Das klingt doch zuversichtlich. Investition bedeutet Wachstum, vermittelt Strategie, bedeutet Effizienz, klingt nach Gewinn!

Ein Blick in die Zahlen lässt uns ernüchtern:

  • Der Gesamtumsatz der deutschen Fachverlage betrug 2009 3 Milliarden Euro (2008: 3,1 Mrd. Euro) – das entspricht einem Umsatzrückgang von 4,2 Prozent.
  • Der Umsatz mit Fachzeitschriften ist um 10,9 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gesunken.
  • Aufgrund des geschrumpften Fachzeitschriftenumsatzes ist der Anteil der Fachzeitschriften am Gesamtumsatz der Fachverlage 2009 von 64,3 Prozent auf 59,8 Prozent gesunken.
  • Mehr als die Hälfte der Fachverleger hatten 2009 zurückgegangene Umsätze zu verbuchen.
  • Die verbreitete Jahresauflage ist 2009 um 2 Prozent auf 515 Millionen Exemplare gesunken.
  • Die Dienstleistungserlöse, die 2008 noch ein Plus von 10,2 Prozent verzeichnen konnten, waren 2009 mit einem Minus von 3,2 Prozent rückläufig.

Positive Signale setzen lediglich die Umsätze mit Elektronischen Medien (+21,9% auf 359 Mio. Euro).  Auch der Umsatz mit Fachbüchern/Loseblatt konnte 2009 gesteigert werden (+4,5%; 2008: -3,2%).

Vor großen Herausforderungen steht die Fachmedienbranche, so Karl-Heinz Bonny, Sprecher Deutsche Fachpresse. Man müsse mit nur einem leichten Umsatzrückgang »sehr zufrieden sein«. Dass Investitionen aber mit Kosten verbunden sind, entnehmen wir der Statistik nicht. Allzeit bereit, aber mittellos? Gerne teilten wir den Optimismus des Verbandes: »Am Ergebnis der aktuellen Fachpresse-Statistik zeigt sich, dass wir mit unseren Innovationen und Investitionen in neue Geschäftsfelder, wie elektronische Medien, auf dem richtigen Weg sind und auch für 2010 gut aufgestellt sind.«

Für alle, die sich ein eigenes Bild machen wollen, stehen die ausführlichen Ergebnisse der Fachpresse-Statistik 2009 auf www.deutsche-fachpresse.de (Rubrik Branchenwissen / Branchendaten / Statistik aktuell) zum Download bereit.

Gut aufgestellt sind nach unserer Meinung die Fachanbieter, für die integriertes Publishing mit effizienten Prozessen, medienneutraler Datenhaltung, granulierten und getaggten Informationseinheiten, Multisource- und Multichannelpublishing keine Fremdworte mehr sind. Die in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten nicht das Asset Content, sondern die Bedürfnisse ihrer Nutzer stellen. Die nicht in Produkten sondern in Themen denken. Die aggregieren statt zu streuen. Und wir können nicht erkennen, dass da viele Häuser den Wandel vom Fachverlag zum Kommunikationsunternehmen schon vollzogen hätten.


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