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Was eine Druckmaschine mit einer Kuh gemeinsam hat …

Vergangene Woche besuchte ich das 18. Führungssymposium der Graphic Consult in München. iPrinting, so der verheißungsvolle Titel des diesjährigen Managementsymposiums. Und ebenso verheißungsvoll die Referenten. Es sprachen u.a. der Design Director Scott Thomas, verantwortlich für die Obama-Kampagne, der Marketingleiter der Welt über die Multi-Channel-Strategie der Welt-Gruppe oder Thomas Lipke, Chef der Globetrotter-Ausrüstung über den Nutzen integrierter Kundenkommunikation.

Um eines gleich vorwegzunehmen: Meine Erwartungen wurden durchwegs erfüllt. Es war spannend und bereichernd zugleich. Und zur Nachlese vieler Beiträge empfehle ich die Seite des Veranstalters Graphic Consult.

Neben den innovativen und konvergenten Modellen, die Unternehmen bereits einsetzen, wurden auf der anderen Seite Druck- und Mediendienstleister vorstellig, die ihre Wertschöpfungskette um »digitale« Dienstleistungen und Services längst erweiterten. Und diese berichteten nicht nur von neuen strategischen Ausrichtungen, sondern gaben auch offen und ehrlich zu bekennen, dass der Weg ins »digitale« Zeitalter ein steiniger Weg war und ist, und auch von Rückschlägen und Fehlentscheidungen geprägt ist. So zeichnete zum Beispiel Winfried Garber, Vorstand der infowerk AG und Preisträger des diesjährigen GC-Management Awards minutiös die Geschichte der infowerk anhand der Tops und Flops der vergangenen drei Jahrezehnte nach.

Viele der Druck- und Mediendienstleistern unter den Zuhörern stellen sich bei solchen Strategieveranstaltungen zwangsläufig immer eine Frage: »Wäre das eine strategische Geschäftsoption für mich?« Und daraus ableitend: »Kann ich das überhaupt leisten?« Dabei müssen einige bedauerlicherweise immer zu dem Schluß kommen, dass Sie diese Veränderungen nicht tragen, lieber bei dem bestehenden Geschäftsmodell bleiben wollen. »USP alternativlos«, umschrieb der Management Consultant Thomas Klose diese Strategie.

Peter Stämpfli, Delegierter des Verwaltungsrates der Stämpfli AG, pointierte schließlich sehr anschaulich die Notwendigkeit zur Leistungsbündelung, in dem er erläuterte, was eine Druckmaschine mit einer Kuh zu tun hat: http://gc-online.de/files/SY18_Staempfli.PDF

Der Milchbauer, so Stämpfli, hat keinen Einfluss auf den Endpreis der Milch, obwohl er direkt davon abhängig ist. Den größten Anteil an der Wertschöpfung haben Logistik, Discount, nicht aber der Erzeuger. Das gleiche gilt, so Stämpflis Allegorie, für den klassischen Druckbetrieb, dessen Betriebsleistung nur einen Bruchteil der gesamten Gestehungskosten eines Druckerzeugnisses abdeckt. Dieser Bruchteil sei aber derjenige, der ständig neu und immer schlechter verhandelt werde. Ein Kostendruck, dem sich der Drucker nicht entziehen kann. Es sei denn, er erweiterte seine Wertschöpfung vertikal und würde zum integriertem Mediendienstleister.

[Aus Vortrag Peter Stämpfli am 24.2.2011, GC-Führungssymposium München]

Stämpflis Claim ist »Die Welt der Publikationen«. Das Unternehmen (ein traditionsreicher Druckbetrieb, der 1799 gegründet wurde) hat heute sechs strategische Geschäftsfelder:

  • Beratung
  • Corporate Publishing
  • Publikationssysteme
  • Internet
  • Zeitschriften
  • Produktion

Stämpflis Fazit:

Nur drucken ist wie nur melken.
Wer nur druckt und nur melkt,
muss industrieller werden,
um die Stückkosten zu senken.
Die Austauschbarkeit bleibt.

Die Lösung nennt Stämpfli Leistungsbündelung http://gc-online.de/files/SY18_Staempfli.PDF (ab Seite 17).
Bemerkenswert: Stämpfli erwirtschaftet heute nur noch 20% des Umsatzes mit reinen Druckleistungen. 1995 machte das noch über 75% des Umsatzes aus.

Und vorbildlich: Die Unternehmenskultur, die Stämpfli pflegt. Denn Unternehmensentwicklung ist auch ein integrierter Prozess.


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