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Buchmesse 2013: The Content Party Is Over

Nach der Messe sei vor der Messe, heißt es gemeinhin. Gestern schloss die 65. Buchmesse in Frankfurt ihre Tore. Die Bilanz, zumindest in Zahlen, schönt die wahren Verhältnisse: Nur um 2% seien die Besucher zurückgegangen. Mein persönlicher Eindruck [Hinweis: ich war nur an den Fachbesuchertagen (Mi.-Fr.) da], deckt sich mit dem vieler Kollegen: Der Messe bleibt das (Fach)publikum fern.

Mag sein, dass der Messebetreiber noch halbwegs beherzt am Wochenende Publikum in die Hallen zu treiben verstand, aber seit 2009 sind alle wichtigen Kennzahlen rückläufig. 2,2% weniger Fachbesucher seien an den ersten drei Messetagen (2013: 143.000) dort gewesen. Allein die Qualität der Besucher an diesen Tagen ist eine andere als in früheren Jahren. Wenn wundert’s: Gab es früher noch strenge Auflagen für die Akkreditierung, ist heute jeder Gast willkommen. Weniger ist eben doch manchmal weniger. Auch die Ausstellerzahlen sind rückläufig und die gebuchten Flächen, allein die Flure sind breiter. Oder wirken zumindest so. Die Luft ist raus!

Gleiches lesen wir in der Presse: »Man muss nicht mehr nach Frankfurt fahren«, konstatiert der Tagesspiegel, »Ein bisschen langweilig«, die ZEIT. Das große Thema – wenn es überhaupt eines gab – war Selfpublishing. Man muss kein Kenner der Branche sein, um festzustellen, dass die Rolle des herstellenden und verbreitenden Buchhandels dabei nur untergeordneter Natur sein kann. Es war – auch hier kann ich nur die subjektive Meinung aus Eindrücken und Gesprächen wiedergeben – bestenfalls eine Messe der (Möchtegern)Autoren und Lizenzgespräche. Und die liebe Presse, die unter den Besuchern zahlreich vertreten gewesen sein mag, berichtet fast ausnahmslos über die Messe und nicht über die Inhalte.

Die diesjährige Messe ist ein (noch) lebender Beweis: Das tradierte Geschäftsmodell der Verlage, mit Verlagsprodukten bzw. Werbeschaltungen, sprich mit Inhalten und / oder Reichweiten, einträgliche Erlöse zu erzielen, ist langfristig weder trag- noch zukunftsfähig. Und das – so die bittere Erkenntnis – völlig unabhängig davon, ob wir von analogen oder digitalen Medien sprechen!

Es ist nicht mehr damit getan, mit den bestehenden Ressourcen und alten Strategien neue Märkte zu adressieren oder neue Kanäle zu beschicken. Es müssen ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt und integriert werden, neue strategische Geschäftsfelder – auch jenseits der klassischen Wertschöpfungsketten – eröffnet werden. Davon war auf der Messe nichts zu sehen.

Wir empfehlen allen, die der Messe bereits fernblieben oder das – nach eigener Bilanz und Retrospektive – für die Zukunft einplanen, die Strategiekonferenz »Business Innovation« am 29. Oktober 2013 in München  zu besuchen. Dort präsentieren Branchenexperten anhand von Fallbeispielen, interaktiven Roundtables und der Vermittlung probater Methoden die Erfolgsfaktoren für den Einstieg in neue Geschäftsfelder. Jenseits von Content, Reichweite und Schaulauferei! Das wäre vielleicht auch was für die Messeleitung …?


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