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Facebook ist tot! Es lebe das soziale Netzwerk!

Facebook sei das neue Internet, so mein geschätzter Kollege Markus H. in seinen Vorträgen: Nutzer, Unternehmen, Medien und Marken, niemand käme mehr an Facebook vorbei. Wer nicht dort ist, ist nicht. Ganz einfach. Plausibel! Aber dann lese ich den Artikel des 16-jährigen Nachwuchsjournalisten Noah Gottschalk im Handelsblatt: »Wie tot ist Facebook«.

Blutjung, der Autor, zugegeben. Aber trotzdem jemand, der es wissen muss. Nicht etwa ein digitaler Immigrant wie Markus und ich, sogar zu jung um ein Digital Y zu sein; nein, mit seinen sechszehn Jahren ist er ein sogenannter Millenial. Hineingeboren in die Welt von Social Media. Und dann berichtet Noah, dass er schon auf 6 Jahre Erfahrung mit Facebook (Anm: ich bin seit 2008 dort engagiert) zurückblicken kann. Dort einstieg, als Schüler VZ den Bach runterging.

Facebook sei tot, lesen wir in dem Artikel. Das so genannte Soziale Netzwerk hat dem Autoren längst das Kraut ausgeschüttet. Er ist nicht mehr auf der Plattform aktiv.

Ich bin nicht der Einzige, der diesen Entschluss gefasst hat. Facebook laufen die Nutzer weg. Studien sagen dem Netzwerk einen schleichenden Tod bis 2017 voraus. Im Zeitraum von 2015 bis 2017 sollen 80 Prozent der heutigen User ihren Account gelöscht haben.

Warum? Er fühlt sich in seiner Privatsphäre verletzt, überwacht, verfolgt. Was aber noch schlimmer wiegt, ist, dass Facebook zu einem Anzeigenstream mutierte. Als dienten soziale Netze den Unternehmen, Medien und Marken nur zum Ködern und Fangen. Reichweite statt Interaktion, Lead Generation statt Dialog. Das hat sich Tim Berners-Lee (Erfinder der HTML 1989 und damit Grundsteinleger des Internets) anders ausgemalt, als er sagte, das Internet sei »Interaction between people«.

Noah bricht es auf einen ganz einfachen Faktor runter: Die bloße Reichweite, die losen Enden einer möglichen Verbindung zwischen Menschen, die brauchen und wollen wir nicht. Wir wollen keine Opfer von Neppern, Schleppern und Bauernfängern werden. Wir wollen mit den Menschen interagieren, die uns wichtig sind. Den so genannten strong ties. Oder, um Noah zu zitieren:

Das Soziale am sozialen Netzwerk, der Austausch unter Freunden, das Wissen, was der andere gerade macht, hat drastisch an Bedeutung verloren. [….] Von der einstigen Idee, Menschen rund um den Globus zu verbinden, scheint nicht mehr viel übrig zu sein.

Noah hat recht. Da ist nicht mehr viel Interaktion. Meine persönlichsten Kontakte verwalte ich längst an anderer Stelle. Die mag auch zum Konzern gehören – und Zuckerberg so nebenbei die Zukunft sichern -, aber ändert nichts an der Abwanderung. Der junge Autor fordert, »kreative Entwickler […], etwas Neues zu schaffen«.

Und ich denke still bei mir: Dann sind wir ja doch auf einem guten Weg. Mit unserem Projekt miitya. The Instant Meeting App wollen wir genau diese Lücke schließen: Interaktion in Echtzeit mit unseren wichtigsten Kontakten. Dialog auf Augenhöhe. Und so die Verbindung zwischen virtuellen Plattformen und der realen Welt schaffen.

 

 


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