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Bloggende Drucker, Teil I: Reden ist Silber, Schreiben ist Blei …

so das klangvolle Motto des Druckerey Blogs von Martin Z. Schröder aus Berlin. Das erste Drucker- oder Druckereiblog, das ich hier vorstellen möchte. Vergangene Woche hatte ich mich auf die »überschaubare« Suche begeben, um dann die Vorzüge des Bloggens kurz zu skizzieren. Auf meine Aufforderung, Links zu senden, reagierte der Schweizerdegen aus Berlin prompt. Und ich berichte gerne über sein Blog und seine Offizin (Das Wort Offizin – so erfahren wir gleich aus einem der lehrreichen Beiträge – kommt von »opificina«, dem Ort, »wo die Werke gemacht« werden. Erhalten hat sich der Begriff für Apotheken und Druckwerkstätten.) und von seiner Arbeit mit bleiernen Lettern.

In dieser Offizin in Berlin-Pankow fertigt er als einer der wenigen Drucker in Deutschland noch Akzidenzen von Hand im Buchdruckverfahren an. Wir empfehlen, nein, raten jedem an Papier, Haptik, Druck, Typographie, Satz, Schrift Interessiertem, Jedem, der sich für echte handwerkliche Arbeit, für Krationen aus einer Manufaktur begeistern kann, das ausgiebige Naseplattdrücken an des Meisters virtuellem Schaufenster. Martin Z. Schröder fertigt Kleinode. Handverlesene Visitenkarten auf edlen Papieren, hadernhaltiges Korrespondenzpapier mit Wasserzeichen, die Lettern fast fühlbar, kalligraphisch beschriftete Grußkarten werden da von Hand gesetzt, dann gedruckt, besser: gefertigt (den es ist eine Fertigkeit) auf einem Tiegel. Nicht etwa dem aus Heidelberg, sondern einem Boston Handtiegel. Da wird jedes Blatt nach Zuschnitt und Zurichtung noch mit der gesunden Mischung aus Manneskraft und Fingerspitzengefühl mit Farbe versehen. Hier ist Druck etwas Persönliches. Schröder wirbt mit dem eitel bescheidenen Claim: »Akzidenzen erleichtern Ihre Offerten ungemein.« Und wenn es mal keine Akzidenz ist, dann können Sie sicher sein, dass der Meister gerade eine neue Seite aus dem neuen Werk von Max Goldt komponiert bzw. typographiert und andruckt, nachrichtet, justiert, fortdruckt, einschießt oder gar ablegt. Im Begriffszweifel gibt Schröders Glossar detailliert Auskunft.

Und über diese traditionelle und ehrwürdige Tätigkeit lesen wir in des Druckers Tagebuch, seinem Blog. Im Druckerey Blog stehen wir förmlich neben Martin Z. Schröder, hören, wir er die Lettern in den Satzkasten ablegt, die Maschine auf Vordermann bringt (Donnerstag hatte nur Maschinenpflege auf der Menükarte des Druckers gestanden) und nebenbei lernen wir ganz viel: über Satz und Typopgraphie, über die spannungsreiche Harmonie von Walbaum und Grandezza, über Ligaturen, oder über die Kunst der Nachbarschaftshilfe, die für einen Schweizerdegen darin bestehen kann, zwei kleinen Jungen Führerscheine in Futura (genauer: lichter Futura (das Versal D), Futura Buch (Titel), Schreibmaschinenschrift (Ort, Datum) und magerer Futura (Gültigkeitshinweis)) zu setzen, um das limitierte und kleinauflage Opusculus schließlich in selbstangerührtem Olivgrün auf Pop’Set Five Cyber Grey 250g/m² von Arjowiggins zu produzieren.

Mein einladender Warnhinweis: Lesen Sie das Blog mit Bedacht, Sie könnten sich darin verlieren. Allemal herrscht Suchtgefahr!
Wenn Martin Z. Schröder mal gerade nicht in seiner Offizin werkelt, schreibt er darüber in diesem seinem Blog, unterrichtet Studenten des Fachbereichs Design einer Fachhochschule im Bleisatz oder schreibt in Tageszeitungen über Typographie. Die Sache so rund, wie der Farbteller seines Tiegels!

Martin Z. Schröder, Drucker
Schonensche Straße 38
13189 Berlin
Fernruf +49. (0)30. 47 00 43 12
sekretariat[at]druckerey.de
www.blog.druckerey.de
www.druckerey.de


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