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Was bleibt übrig von Print, TV und Radio?

So der Titel der media coffee-Reihe, veranstaltet vom Presseportal newsaktuell, die am Montag, den 7. Juli ihren Abschluss in München im Haus der Bayerischen Wirtschaft fand. Vor etwa 250 Vertretern der Presse sprachen Rudolf Bögel, Chefredakteur der tz, Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur sueddeutsche.de, Mercedes Riederer, Chefredakteurin des BRs, Malte von Trotha, Chef der dpa und schließlich Thomas Knüwer, enfant terrible in dieser Runde, Autor des Blogs »Indiskretion Ehrensache« und Reporter beim Handelsblatt. Durch den Abend leitete Michael Geffken, Leiter Journalistenfortbildung an der VDZ Zeitschriften Akademie.

media coffee der dpa-Tochter news aktuell in München

[Quelle: obs/news aktuell GmbH]

Parallel erschien ein Videobeitrag zur Diskussion: http://de.youtube.com/watch?v=uzKzBZ44Po0

Der Youtube-Beitrag ist übertrieben optimistisch. Lesen wir im Presseportal, »die Medienunternehmen haben die Herausforderung Internet angenommen.«, fraglich bliebe dabei jedoch, »in welcher Form Leser, Hörer und Zuschauer zukünftig journalistische Produkte konsumieren werden.«, präsentiert uns das Video einen erfolgreichen Hans-Jürgen Jakobs, der den Anschein macht, als sei es ihm gelungen, Print & online perfekt zu konzertieren. »Wir sind im Zusammenspiel [von Print und online] stärker.«, so Jakobs. Das Publikum begreife das Angebot der Zeitung und des Internets als Einheit. Faktisch hat sueddeutsche.de die Marktführerschaft in den Bereichen Stellenanzeigen, Immobilienmarkt und KFZ-Markt längst dem Wettbewerb überlassen. Was noch dramatischer ist: hier hat sz-online den Erfolg von Print weder ausgebaut noch fortgesetzt, selbst das Printangebot kämpft heute gegen den Wettbewerb der führenden Job-, KfZ- und Immobilienportale. Da bleibt der Wunsch des Chefredakteurs fromm, »Print müsse geldwert bleiben«, auch wenn »neue Erlösquellen unabhängig von Print« entstünden.

Die Entscheidung schließlich, das Blog auf sueddeutsche.de Nachts Kommentatoren nicht freizugeben, stärkt den Wettbewerb nicht nur, damit hat sich sueddeutsche.de freiwillig in die zweite Liga deklassiert. Jakobs konstatiert, Sueddeutsche.de könne es nicht leisten, das Blog laufend zu überwachen. Schade, dass die professionellen Blogmonitorer da nicht gehört werden. Ich persönlich hoffe sehr im Sinne der Medienvielfalt, dass das Amtsgericht München gegen eine Pflicht zur Vorzensur von Kommentaren in Online-Foren und Blogs votiert.

Mercedes Riederer, die zugab, ihr iPod nicht bedienen zu können, machte zwar eine vermehrte Nutzung von Livestreams aus, wusste aber leider nicht zu belegen, wie der Nutzer auf die Inhalte stoße. Irgendwer muss da doch beim BR die Podcasts mit Schlagworten versehen haben? Zu Versuch und Irrtum äußerte sich auch Malte von Trotha: Gerade diejenigen seien erfolgreich, »die sich als Medienhäuser verstehen, auch unter dem Modell von trial & error«.

Sei’s drum: der einhellige Kanon, journalistische Qualität und gehaltvolle Nachrichten stürben nicht aus, mehr noch, seien wichtiger denn je, nur die Medienkanäle wandelten, stimmte die sonst sehr polarisierte Runde (Knüwer gegen den Rest der Medienwelt) freundlich. Leider erntete der brillant sprechende Blogger so viele Lacher, dass der Ernst seiner Aussagen überhört wurde. Der Ruck ging nicht durch das Auditorium. Das passierte erst, als Dirk Ippen sich zu Wort meldete und seine Kollegen zur Demut (Hybris sei der Verlage tot) mahnte. Hier das gute und mahnende Interview, das Peter Turi gleich nach der Veranstaltung führte.


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