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Papierindustrie unter Druck!

»Überkapazitäten setzen die Papierbranche unter Druck«

So titelte ein Beitrag im aktuellen Deutschen Drucker (Nr. 8 v. 5. März 2009) und brachte auf den Punkt, was die Druck- wie Medienbranchen schon lange vermutete: Die konjunkturelle Flaute ist längst bei den Erzeugern angekommen. Waren vergangenes Jahr einige kleinere Betriebe in Notlage geraten (so Scheufelen oder Curtis) oder von den großen Playern integriert worden (so z.B. Mochenwangen), scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die Großen selber zur Disposition stehen. Die führenden Unternehmen UPM, Stora Enso, M-Real und Norske Skog haben zusammen 2008 ein bereinigtes Ergebnis von über 800 Mio. Euro Verlust ausgewiesen. Gegenüber 400 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr.

Kapazitätsanpassungen sind überfällig

Myllykoski kündigt an, die Produktion der europäischen Werke in den ersten vier Monaten des Jahres um weitere 110.000 bis 135.000 Tonnen zu reduzieren. Betroffen seien vor allem LWC- und aufgebesserte SC-Papiere. Im viertel Quartal 2008 hatte Myllykoski bereits Kapazitäten von nahezu 50.000 Tonnen abgebaut.
Stora Enso will die jährliche Papier- und Kartonkapazität bis Ende 2009 um 600.000 Tonnen verringern und schließt dazu Fabriken in Finnland und Deutschland. Unter anderem wird einen Papiermaschine in Kabel mit einer Kapazität von 140.000 Tonnen stillgelegt.
Sappi Fine Paper schloss bereits die Papierfabrik Blackburn Mill in England und legte die PM5 in Maastrich still. Summarum sind damit Kapazitäten von etwa 180.000 Tonnen abgebaut. Und schließlich schloss UPM die Fabrik in Kajaani und das Zellstoffwerk in Tervasaari und legte zeitweise die PM2 in Nordland still. 200.000 Tonnen wurden so eingespart. Auch Holmen Paper reagierte und stellte die Produktion von gestrichenem Druckpapier ein. In diesem Reigen klingen die Ankündigungen Jakob Jonsons fast optimistisch, Paperlinx würde 2009 etwa 5% weniger Umsatz machen und entsprechend Produktionskapazitäten abbauen, aber man wolle (durch Zukauf) weiter wachsen.

Der Markt ist übersättigt

Das gilt gleichfalls für den Zellstoffmarkt, der Vorräte von 5,1 Mio. Tonnen vorhält, und das bei sinkenden Altpapierpreisen. Und die Nachfrage am Markt nimmt massiv ab. Da ist z. B. der Zeitungssektor massiv betroffen, hunderte von Medien wurden eingestellt. Budgets für die druckintensiven Bereiche klassische Werbung und Dialogmarketing werden stark gekürzt.

Preisentwicklung

Wenn die Nachfrage sinkt, fallen in der Regel die Preise. Im Gegensatz zu anderen Industrien hat die Branchen aber schon zahlreiche wirksame Mittel zur Kapazitätsreduzierung umgesetzt, so dass die Preise aktuell sogar steigen: M-Real kündigte – obwohl die Preise 2008 schon um 9-10% gestiegen waren – weitere Steigerungen um 8 Prozentpunkte für 2009 an. Myllykoski plane sogar, nach den Kapazitätsanpassungen Preise für Zeitungspapier von 600 Euro je Tonne durchzusetzen, Insgesamt seien die Umsatze von LWC-Qualitäten leicht gefallen, die der SC-Sorten stiegen. »Druckeinkäufer im Supermarkt-Segment experimentierten sogar mit aufgebessertem Zeitungspapier«. Wie der Endkunde und Verbraucher darüber denken mag, sei dahin gestellt. Wenn der Point of Sale mittels Katalog oder Flyer ins Wohnzimmer getragen wird, entscheidet nach wie vor Haptik und Ausstattung.
Wir meinen, dass sich die Printbuyer und Einkäufer mittel- und langfristig besser stellten, schlössen sie heute strategische Partnerschaften mit Ihren Druckdienstleistern und Papierlieferanten ab.


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