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Paradigmenwechsel in der Medienbranche: Von Print first zu User first

Ganz gleich, ob wir über Paid Content, medienneutrales Publizieren, crossmediale Workflows oder neue Distributionskanäle sprechen, Medienhäuser stehen seit Jahren vor großen Herausforderungen. Doch der eigentliche Paradigmenwechsel vollzieht sich erst jetzt. Genügte es früher, Inhalte medienspezifisch aufzubereiten und angestammte Vertriebskanäle zu beschicken – also Produkte zu entwickeln und zu platzieren – müssen heute immer stärker die Bedürfnisse der Leser, besser: Nutzer berücksichtigt werden.

Heilsversprechen crossmediales Publizieren?

Zunächst legt der Begriff nahe, es ginge darum alle Channels bestücken zu können. Das sind neben Print zunächst online, neuerdings aber auch Mobile Devices und in der Hyperdistribution auch Social Media Channels. Aber crossmedial bedeutet auch mehrere Medienformate innerhalb einer Mediengattung: Inhalte müssen so aufbereitet, granuliert und getaggt sein, dass sie gleichermaßen für alle Formate, Formen und Ausstattungen verwendet werden, andererseits auch verschiedene Lesegewohnheiten oder Vorkenntnisse bedienen können.

Dazu mussten und müssen Verlage zunächst die Inhalte strukturiert, digitalisiert und verschlagwortet haben. Für den laufenden Prozess der Contenterstellung und –distribution ist es aber hilfreich, nicht nur auf Bestand zugreifen zu können, sondern schon die Prozesse, inbesondere die Erstellung oder Eingabe der Inhalte im Verlag auf die vielfältigen Ausgabekanäle abgestimmt zu haben. Dazu stehen inzwischen eine Vielfalt von marktreifen Redaktionssystemen und Media Asset Systemen zur Auswahl. Für Unternehmen mit mehreren Standorten oder gar internationaler Ausrichtung müssen diese Systeme noch weiteren Anforderungen Rechnung tragen: So zum Beispiel mit Remote Publishing oder Translation Memory Funktionen.

Wo bleibt der Kunde?

Neben der Pflicht steht dann die Kür, diese Systeme mit der Warenwirtschaft, den Lizenzen (Honorare, Bildrechte) zu verknüpfen, um schließlich die Schnittstelle zum Kunden herzustellen. Kunde ist hier nicht nur der Autor, die Presse, der Handel, sondern idealerweise auch der Leser und Nutzer, dessen Informationsbedürfnisse und Kaufverhalten in Systemen gespeichert werden, um ihn dann adäquaten und relevanten Content anbieten zu können. Eine Anforderung, der sich insbesondere Special Interest Verlage stellen müssen.

Information on Demand

In letzter Instanz mag Information On Demand, also die Antizipation der Bedürfnisse der Nutzer, ihrer Suchabfragen, eine Zukunft des Publizierens sein. Das Unternehmen Demand Media, das mit dem Claim »Demand Media | Publishing What the World Wants to Know & Share« wirbt, wurde 2006 gegründet, hatte bereits 2008 135.00 Videos und 340.000 Artikel erstellt und damit zum Beispiel via youtube täglich über 1.5 Millionen Visits und ein Revenue von $ 200 million USD erreicht. Heute produziert das Unternehmen täglich über 4.000 Artikel und wird auf $ 1.5 billion USD taxiert

Kurzum: Der Paradigmenwechsel für publizierende Unternehmen vollzieht sich sprunghaft. Um es auf einen ganz plakativen Nenner zu bringen: Von print first über online first zu content first. Aber die Entwicklung zeigt, dass es in der Konsequenz demnächst heißen wird: customer / user first.


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