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ver.di fordert 5,5 Prozent für Beschäftigte der Druckindustrie // bvdm kontert: Druckindustrie braucht Kostensenkung

Nach einer aktuellen Pressemitteilung fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Arbeiter und Angestellten der Druckindustrie in die Tarifrunde sowie gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen für die in dieser Branche eingesetzten Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer.

Forderungen, die der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) im Vorfeld der beginnenden Lohn- und Manteltarifverhandlungen als absolut realitätsfern zurückweist. Die Gewerkschaft negiere – so in der Antwort des bvdm nachzulesen –  »damit komplett die existenziell schwierige Situation in den Betrieben der Druckindustrie«.

Die Gewerkschaft wolle sich gegen Angriffe der Arbeitgeber auf den Manteltarifvertrag zur Wehr setzen und für den Erhalt der 35-Stunden-Woche kämpfen. Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender, betonte, »dass in der Druckindustrie zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet worden seien und eine Arbeitszeitverlängerung den Beschäftigungsabbau weiter beschleunigen würde. […] allein 2010 seien rund 10.000 Arbeitsplätze abgebaut worden.«

Dagegen kontert der Arbeitgeberverband durch den bvdm-Verhandlungsführer Dr. Wolfgang Pütz, dass die »deutsche Druckindustrie erdrutschartige strukturelle Veränderungen erlebe.«Kernprobleme der Branche seien das Abwandern von Marktanteilen von Print zu elektronischen Medien, der international harte Wettbewerb, die hohen Kosten und viel zu starre manteltarifliche Regelungen wie z.B. zur Maschinenbesetzung. Damit sehen die Arbeitgeber in den Forderungen der Gewerkschaften eine massive Gefährdung für die Betriebe und die Arbeitsplätze. Die Unternehmen bräuchten vielmehr dringend deutliche Kostensenkung, um im Wettbewerb mit anderen Medien zukunftsfähig zu bleiben.

Die Kernfrage, die Dr. Pütz in diesem Kontext stellt, wird die Druck- und Medienbranche nicht nur in den Tarifrunden ab dem 13. April beschäftigen: Wird es für die Druckindustrie noch einen neuen Manteltarifvertrag geben?

Sind das nicht Relikte aus der Vergangenheit – wie auch die 35-Stunden-Woche und Hilfsarbeiterlöhne über 12 Euro -, die nicht mehr in die schwierige Situation der Branche und in die Generaldebatte zu Mindestlöhnen gehören? Natürlich – so unser Standpunkt – sind qualifizierte Mitarbeiter ein wichtiges und tragendes »Asset« der Unternehmen, die Normierung auf  Maschinenbesatzung und tariflich geschützte Wochenarbeitszeit aber die eigentliche Grundlage für eine Kapitalisierung der menschlichen Arbeitsleistung. Und damit eine Reduktion auf die Ware Arbeitskraft, statt auf mitarbeitende, wahre Arbeitskräfte. Hier bedarf es nicht neuer Tarife für die Beschäftigten, sondern neuer unternehmerischer Beteiligungsmodelle – in guten, wie in schlechten Zeiten – für die MITarbeiter.


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