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Die neue ZEIT-App: da klickt das Auge mit!

World of Apps

Nach einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. wurden im vergangenen Jahr 2010 allein in Deutschland rund 900 Millionen mobile Anwendungen installiert. »Für fast jeden Zweck gibt es heute eine App«, konstatierte BITKOM-Präsidiumsmitglied Friedrich Joussen zum Start des Mobile World Congress in Barcelona. Kein Wunder, den nach BITKOM-Berechnungen existieren weltweit ca. 520.000 Apps, nach Angaben von Apple 425.000 fürs iPhone und über 90.000 fürs iPad.

Dabei sind fünf der zehn meistgekauften Apps Spiele. Dazu kommen Anwendungen aus den Bereichen Social Networking und Kommunikation wie facebook und Skype, Navigation und Location based Services wie AroundMe, MobileNavigator und Google Earth. Schließlich stehen auch eBay mobile und Wetter-Apps hoch im Kurs.

Medien-Apps

Medien-Apps oder News-Apps sind meist einfache Reader, mit denen eine digitale Version der gedruckten Ausgabe herunter geladen und betrachtet werden kann oder sie bieten Zugänge zu verschlankten Inhalten der Medienhäuser (meist basierend auf dem Online Angebot der Häuser), die speziell für die mobile Nutzung optimiert wurden.  Internet, mobile Devices, soziale Netze: Die Technik erlaubt uns, überall präsent zu sein, alles kommentieren und teilen zu können: Während wir uns rasch einchecken, werden News geshared, die Community geupdated, Friends geadded oder schnell 148 Mails gechecked. Der junge Berliner Künstler und Chartstürmer Tim Bendzko karikiert in seinem Song »Nur noch kurz die Welt retten« unser beschleunigtes Informations- und Kommunikationsverhalten.

Gleichzeitig suchen wir nach Ruhe und Orientierung in der Informationsflut. Und es gibt diese Felsen in der flutenden Brandung der deutschen Mediengischt: Brandeins, Landlust, Die ZEIT wollen uns da spontan einfallen. Allesamt Publikationen, die einen Auflagenrekord nach dem anderen aufstellen. Und das in einer Zeit, in der Auflagen einbrechen, Medien eingestellt und Redaktionen aufgelöst werden.

»Wir haben Chancen, die muss man nutzen«

Davon ist Zeit-Online-Geschäftsführer Christian Röpke überzeugt: Die Parameter der ZEIT wie journalistische Qualität, ansprechendes Layout mit schöner Typographie, akzentuierten Weißräumen, attraktiver und doch selektiver Bildsprache sind Garanten für genussvolle Leselust. Kein Wunder, dass die ZEIT in allen Kanälen auf diese Kriterien setzt:

»Wir fahren eine Strategie, die wir etwas hochtrabend als produktzentrische Strategie im Gegensatz zu einer geräte- oder betriebssystemzentrischen Strategie bezeichnen. Der Zeit-Verlag hat zwei wundervolle Marken, Zeit Online und „Zeit“. Und wir glauben, dass für Zeit Online der Browser die ideale Plattform auf Tablets ist. […] Zeit Online können Sie auf allen Tablets, egal ob Android oder Apple iOs, in optimierter Version lesen. Nichtsdestotrotz glauben wir, dass auch Apps ihre Berechtigung haben, nämlich in unserem Fall für die Printmarke „Zeit“. Eine App ist wie gemacht für eine periodische Erscheinungsweise, das Produkt hat einen Anfang und ein Ende und für dieses Bundle ist deshalb die Zahlungsbereitschaft der Leser auch höher als bei der Website.« [Christian Röpke im Interview mit Volker Schütz, Chefredakteur der Horizont.net vom 5. August 2011]

Die neue ZEIT-App: Nicht für Nutzer. Nur für Leser.

Mit der neuen ZEIT-App, die gemeinsam von DIE ZEIT und ZEIT ONLINE und der Bremer Agentur artundweise entwickelte wurde, wird der Anspruch, die Printmarke ZEIT optimal auf iPhone und iPad zu übertragen, auf unterschiedliche Art und Weise erfüllt.

Anders, als wir es von News-Apps gewohnt sind, zielt die App nicht auf Interaktion ab. Bietet keine flüchtigen Inhalte, verkürzte Artikel und knappen Informationen. Hier wird die Printmarke mit allen ihren Vorzügen »einfach« für das mobile Device aufbereitet. Weniger ist mehr, so könnte das Motto der App-Konzeptioner gelautet haben.

 

[Videocast: Eine Evolution in Reduktion]

Hier gilt als journalistisches Credo der ZEIT-Redaktion: Function follows Content. Nicht Bild, Bewegung und Interaktion um jeden Preis. Im Gegenteil: Der technische Stratege hinter der neuen App, Alf Werder (CTO artundweise GmbH) bezeichnet das neue Format als eine Rückbesinnung auf die Kerntugenden der Wochenzeitung: Nur an den Stellen, an denen der Inhalt und die Botschaften durch andere Elemente bereichert werden können, wird der Artikel tatsächlich angereichert. Und bei der Auswahl der Bilder, Links und audiovisuellen Elemente lassen die ZEIT-Redakteure die Sorgfalt walten, die der Leser von der ZEIT kennt. Jede Ausgabe (Erscheinungstermin jeweils Mittwochs) hat einen Anfang und ein Ende. Das gleiche gilt für die Artikel, durch die sich der Leser nicht blättert, sondern die er in Gänze lesen, in die er eintauchen kann.

 

Die ZEIT-App wurde gemeinsam von DIE ZEIT und ZEIT ONLINE entwickelt: Das redaktionelle Konzept lag bei der Redaktion von ZEIT und ZEITmagazin, die technische und verlagsseitige Konzeption bei ZEIT ONLINE und artundweise, die App-Produktionsumgebung stammt von censhare und wurde in Zusammenarbeit mit artundweise an die Bedürfnisse der ZEIT-Redakteure angepasst.

»Es war von Anfang an klar, dass die Artikel trotz großer Automatisierung von Hand veredelt werden sollen. Und hier wollten wir den großen Ansprüchen, die die ZEIT an dieses Format für das iPad stellt, gerecht werden. Dies haben wir mit dem Redaktionssystem sehr gut erfüllt.«, so Malte Gaudig, Leitung Softwareentwicklung von artundweise.

 

Redaktion 2.0: Print und mobile Hand in Hand

Während viele Verlage bei der Produktion ihrer Apps immer noch mit Medienbrüchen und externen Systemen zu kämpfen haben, nutzt nun der Zeitverlag Gerd Bucerius mit censhare als erstes Verlagshaus die innovative censhare App-Technologie (basierend auf Indesign und HTML 5), um den spezifischen Ausgabekanal App zu bedienen: »Viele Anbieter von heute denken darüber nach, ob sie das Tablet-Produktions-System auf der Basis von DTP-Technologie oder auf der Basis von Webtechnologie realisieren. Wir haben einfach HTML 5 mit Indesign kombiniert. Dadurch ist eine einzigartige Lösung entstanden, die erlaubt, das Beste aus beiden Welten in einer App zusammenzuführen.« konstatiert Alf Werder, CTO von artundweise.

Eine Technologie, die den Redakteuren und ihren gestalterischen Ansprüchen keine Grenzen setzt. Das war die Herausforderung, die der Zeitverlag den Technikern von artundweise aufgab. Deren Entscheidung viel klar für censhare. Gemeinsam wurde das erste App-Produktionssystem für eine völlig neue Generation von Apps entwickelt. »Mit censhare haben wir uns nicht nur für ein Produktionssystem entschieden, das von Haus aus Indesign und HTML 5 sehr geschickt verbunden hat, sondern auch einen kompetenten Partner gefunden, der die Bedeutung unserer Aktivitäten erkannt hat und die Weiterentwicklung seines Produktes entsprechend vorantreibt.« ergänzt Alf Werder.

 

[Videocast: Alf Werder über die Technologie und die Zusammenarbeit artundweise & censhare]

 

Der neue Workflow

Die Inhalte der ZEIT und des ZEIT-Magazins werden automatisch aus dem Redaktionsworkflow (XML-Export) der ZEIT in censhare importiert. Der automatisierte Import weist den Elementen (Text, Bild, Auszeichnung) der Beiträge durch ein komplexes Mapping Struktur und Inhalt zu. Bereits hier können die ZEIT-Redakteure die Artikel webbasiert in einer HTML-Voransicht sehen und mittels Blattplanung sortieren, rubrizieren oder mittels Contenteditor editieren sowie mit Bildern (auch Galerien), Verweisen, Texten oder audiovisuellen Inhalten anreichern. Die Redakteure können sich entweder der Inhalte aus der ZEIT und des ZEITmagazins bedienen, innerhalb des censhare-Systems alle Artikel editieren, neue Artikel erstellen oder ausgewählte Artikel als Indesigndokument im ZEIT-Design laden. Während letzteres Verfahren jedoch das Layoutbild (als Pixelgrafik) übergibt, sind alle anderen Inhalte, ausschließlich HTML5 basierend und benötigen kaum Speicherplatz bzw. Downloadzeit.

Dazu Matthias Zimmermann, Leitung Online Solutions censhare AG: »Mit der App-Produktionsumgebung von censhare können Artikel sowohl hochautomatisiert über Templates als auch individuell über Indesign produziert und gestaltet werden. Und das ist absolut neu!«

 

Auch hier gilt »Weniger ist mehr«

Hatten zum Vergleich einzelne Artikel der früheren ZEIT-App noch mindestens 1 MB an Datenvolumen, beansprucht ein Artikel mit Bildern heute im Mittel nur noch 250 KB. Während z.B. das komplette Wired-Magazin fast 700 MB groß ist, kommt die App-Ausgabe der ZEIT und des Magazins auf etwa schlanke 40 MB. Zum Mitnehmen, Lesen, Schmökern, Nachschlagen. Online wie Offline. Und folgt dabei den hären makro- und mikrotypographischen Ansprüchen des Verlages und ist zudem adäquat um Bilder, Verweise und audiovisuelle Elemente angereichert. ZEIT für eine neue App.

 

Weiterführende Informationen:

 


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