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Ich habe einen Traum: XINGbook+ 2.0 oder endlich alle relevanten Informationen an einem Ort!

Vielleicht geht es Ihnen ganz ähnlich wie auch mir? Nicht Generation Y, sondern Internetnutzer seit 15, fast 20 Jahren. Aufgewachsen mit Basic, Maschinensprache und Commodore 64. Erste Surferlebnisse noch mit Modem, viel Geduld und Baud-Rattern. Erste Webseiten noch vor der großen Blase gebaut, mit Erleichterung Tools wie Dreamweaver und GoLive genutzt, Flash als echte Innovation erlebt und dann mit Verve und Passion first mover in Social Media. Und das zu einer Zeit, als ein Blog noch etwas Exotisches war, XING noch openBC hieß und Facebook gerade von den amerikanischen Unis rüberschwappte.

Es ist nicht so, dass wir immer noch alles Neue gleich ausprobieren müssen. Neue Plattformen und Trends werden inzwischen schon (ja, über die Zeit wird man zum Traditionalisten) mal kritisch beäugt, gegebenenfalls kurz ausprobiert und dann sporadisch wieder auf den Prüfstand (Klout, Pinterest & Co.) gestellt. Und Neuerungen entpuppen sich dem enttäuschtem Nutzer zu oft als Änderungen. Neue Features als (optische) Relaunches. Alles ist Beta, nichts ist gut.

Worauf wir alle gespannt warten, ist der große Wurf. Das, was 2.0 nun endlich wirklich folgen könnte.

Seien wir mal ehrlich: Selbst amazon ist noch ein Thumbnailflickerlteppich 1.0 (1999), gehypte Apps werden gekauft, installiert, geraten in Vergessenheit und werden wieder deinstalliert, Social Networks kommen (Microsoft) und gehen (MySpace). Und selbst große Neuerungen (Facebooks Graphsearch) lösen keine nennenswerten Begeisterungsstürme mehr aus. Schluss mit den Schlangen vor den Applestores. Vieles wird anders, Weniges besser, Nichts ist neu.

Dabei wäre es doch ganz leicht: Ich habe als Nutzer ein Profil, nachvollziehbare, messbare Interessen und Bedürfnisse, lege meine Spuren im Web, bin – sogar freiwillig – gläsern. Und niemand nutzt diese Informationen (von Prism abgesehen), bietet mir das, was ich wirklich brauche: Ein zentrales Dashboard, an dem alle wichtigen Informationen für mich zusammenfließen. Ein Ort, an dem Produkte und Services nicht als Werbung angepriesen, sondern als relevanter Inhalt empfohlen werden, ein zentraler Punkt, über den ich meine Kommunikation treibe, meine Netzwerke, meine Termine verwalte und pflege, meine Informationen und Produkte beziehe. Ein Portal mit spannenden Eventtipps, Fachinhalten, anregenden Diskussionen, Gleichgesinnten, Kollaborateuren.

Und schließlich ein Ort, an dem ich mich und mein Portfolio meinen Zielgruppen unaufdringlich und doch überzeugend präsentieren kann. Am besten ohne Programmierkenntnisse, generisch, dynamisch, ja, am liebsten automatisch aus meinen digitalen Hinterlassenschaften erstellt.

XING hat heute das neue Profil vorgestellt. Mit dem Anspruch, »dass unsere Mitglieder auf allgemeine Websites zur beruflichen Selbstdarstellung verzichten können«, so Timm Richter, Vorstand Product der XING AG. Ich habe mir davon viel versprochen. Das hätte das Zeug für eine echte Innovation. Ein Profil, das auf der Grundlage meines Soziographen und Nutzerverhaltens erstellt und mit meinen Inhalten aufgeladen für andere Nutzer, potentielle Kunden, Partner und Arbeitnehmer attraktiv ist. Mit der Leichtfüßigkeit, die Flash uns vormals brachte, einem erfrischendem und reduziertem Design, das uns wie seinerzeit Apple adressiert, mit einer bestechenden Innovationskraft, die uns wie openBC oder Facebook der ersten Stunden in seinen Bann zieht. Und einem Backend, das so leicht zu bedienen ist, wie WordPress im Vergleich zu den frühen HTML-Editoren.

Wie sowas aussehen könnte? Ein paar Scribbles dazu habe ich gezeichnet. Im Auge des Betrachters individuell, informativ und übersichtlich. Das wäre ein erster großer Schritt, dem das persönliche Dashboard für alle professionellen, beruflichen Belange dann verheißungsvoll folgen könnte …

Mein Fazit: Die Kunst des Weglassens müssen die Entwickler, Frontenddesigner und UX-Experten dieser Welt wieder erlernen. Google ging hier mit großem Beispiel voran (wenn Sie sich noch an die inzwischen ausgestorbenen, klickibunten Metasuchmaschinen erinnern, die es ablöste). Und noch etwas beherrscht Google auch vortrefflich: Recomendations & dynamische Suchergebnisse. Meine Suche, mein Google. Da mag der Weg zum Dashboard gar nicht mehr weit sein.


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